Ich heiße Heinrich von Bünau, bin 62 Jahre alt und stehe hier 2008 neben einem Bergkreuz in Willingen/Sauerland 

 

 

 

 

 

Eine Kurzbiografie

 

Ich wurde 1957 in Essen-Werden, einem kleinen Städtchen in der Mitte Deutschlands, geboren. Die Ehe meiner jungen Eltern, 20 und 21 Jahre alt, geriet schnell in schwierige Fahrwasser und nach 3 Jahren wurde sie geschieden.  Meine Mutter zog mit mir zu ihren Eltern nach Lintorf, in der Nähe von Düsseldorf gelegen. Hier verbrachte ich die nächsten vier Jahre.

    Es waren vier gute Jahre, voller Geborgenheit und Lebensfreude! Sie kommen mir auch im Rückblick vor wie ein einziger schöner, heiterer Tag!

 

Natürlich dachte ich in jenen glücklichen Jahren nicht, dass sich daran jemals etwas ändern würde. Aber dann heiratete meine Mutter wieder und wir zogen in einen Nachbarort namens Heiligenhaus. Und in gewisser Weise begann damit für mich auch der Ernst des Lebens. Denn die Beziehung zu meinem Stiefvater gestaltete sich recht schwierig.

     Er hat es sich ganz offensichtlich in den Kopf gesetzt, aus mir einen Musterschüler zu machen. Einerseits förderte er mich und war auch recht großzügig, andererseits aber war er sehr streng und duldete keinen Widerspruch. Ich fürchtete ihn  und so wurde ich ein braver und folgsamer Junge.

    Aber ich muss zugeben, dass es mir durchaus gefiel gute Schulnoten mit nach Hause zu bringen. Ich erntete viel Lob und Anerkennung von meinen Eltern, Lehrern und Mitschülern dafür.

 

Mit ungefähr zwölf Jahren  war ich Klassenbester und Klassensprecher, aber ich fühlte mich im Grunde meines Herzens einsam. Dann geschah etwas, was alles verändern sollte. An einem kalten Wintertag baute ein Nachbarsjunge und ich uns eine kleine Sprungschanze, auf der man ein paar Meter weit fliegen konnte. Bei einem Sprung stürzte ich und brach mir den rechten Fussknöchel. Damals hieß das sechs Wochen Gips und häusliches Liegen.

    Der körperliche Bruch war nach circa einem halben Jahr komplett ausgeheilt, aber die seelischen Folgen erwiesen sich als schwerwiegender. Mein schulischer Ehrgeiz war gebrochen, und peu a peu begannen meine Noten sich zu verschlechtern. Am Ende stand das komplette Scheitern. Ich bestand die Abiturprüfung nicht!

   Wie war so etwas möglich, vom Musterschüler zum Abitur-Versager? Eine wirklich vernünftige Erklärung lässt sich nicht finden. Da spielten viele Faktoren eine Rolle. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass ich in einer tiefen Sinnkrise steckte. Abgesehen von meinen Hobbies ( Tischtennis und  Schach) schien mir alles so sinnlos. Schule, Ausbildung, Beruf, also die bürgerliche Arbeitsethik, der insbesondere mein Stiefvater anhing, interessierte mich überhaupt nicht. Wo ich auch hinschaute, da war niemand, der wirklich glücklich und zufrieden mit seinem Leben zu sein schien.

   Dies mag jetzt ziemlich weltfremd und überheblich klingen, aber so empfand ich damals. In der bürgerlichen Welt sah ich nichts, was mir erstrebenswert erschien. Keine Vorbilder, denen ich hätte nacheifern können. Intuitiv spürte ich, dass da was nicht stimmen konnte. Wenn es so etwas wie ein glückliches Leben gab, war das woanders zu suchen. So jedenfalls dachte ich damals.

 

Es folgte dann 1977/78 die Bundeswehrzeit und damit ein richtiger Tiefpunkt in meinem Leben. Erst in Hamburg und später in Bad Segeberg stationiert, erlebte ich eine schwere "Befehl und Gehorsam" waren einfach nicht meine Welt. Nach etwa neun Monaten hatte man endlich ein Einsehen, und ich wurde aufgrund eines psychiatrischen Gutachtens vorzeitig entlassen.

    Was auch immer in diesem Gutachten genau gestanden haben mag, aber für mich kam die Entlassung wie ein Wunder. Völlig unerwartet!

   Ich zog wieder in mein Elternhaus ein, mittlerweile einem Eigenheim in Ratingen-Hösel, und begann bald darauf ein Sozialpädagogikstudium in Düsseldorf.

 

Das klingt jetzt beinahe so, als ob das Leben nun doch in einigermaßen geordneten Bahnen gekommen wäre. Oberflächlich betrachtet stimmte dies auch, aber innerlich war ich nach wie vor völlig orientierungslos. Das von meinem Stiefvater finanzierte Studium habe ich nie als eine Berufsausbildung verstanden, sondern mehr als geschenkte Zeit zur Selbstfindung.

    Tatsächlich war ich in jener Zeit recht erfolgreich im Turnierschach, dass ich kurzzeitig überlegte, ob ich das nicht vielleicht zu meinem Beruf machen sollte. Aber ich entschied mich dagegen, weil der zu betreibende Aufwand zu groß und die realistischen Erfolgsaussichten wohl zu gering gewesen wären.

   Nichtsdestotrotz war dies teilweise  eine schöne Zeit in meinem Leben.

 

Mit etwa 25 Jahren - auf Druck meines Stiefvaters hin -betrieb ich das Studium nun etwas ernsthafter. Mittlerweile wohnte ich in einer eigenen Wohnung in Düsseldorf, und hätte durchaus zufrieden sein können.

  Aber ich war es immer noch nicht. Irgendetwas ganz Entscheidendes schien zu fehlen. Auch eine sehr intensive Liebesbeziehung hatte da keine Abhilfe schafffen können. Was ist eigentlich los mit mir? war eine Frage, die ich mir von Zeit zu Zeit stellte. Ohne darauf allerdings eine befriedigende Antwort zu finden.

   Dann, zu Beginn des Jahres 1985, also im Alter von 27 Jahren, nahm ich mir eine vierwöchige Auszeit.

 

Ich kann nicht sagen, dass mich diese Auszeit groß weitergebracht hätte. Aber eines war mir doch klar geworden, die Suche nach dem Glück oder vielleicht auch Sinn des Lebens würde ich nicht aufgeben. Alles andere war von untergeordneter Bedeutung. Das einzige Problem war, dass ich nicht wusste, wo ich zu suchen hatte. Aber irgendwie hoffte ich, dass mir der Zufall oder das Schicksal zu Hilfe kommen würden.

    Und tatsächlich traf ich wenig später im Bus einen flüchtigen Bekannten, der ganz in meiner Nähe wohnte.  Er war ein Esoteriker und weckte mein Interesse an Astrologie und Tarot. Ich fand den Gedanken faszinierend, dass unser Leben vielleicht in den Sternen schon vorgezeichnet sein könnte, und man mittels Kartenbefragung möglicherweise konkrete Lebenshilfe erfahren konnte.

    Aber mitten in diese Schnupper- und Experimentierphase hinein geschah etwas, was meine Weltsicht komplett verändern sollte. Über eine Freundin lernte ich das Tischchenschreiben kennen, ein spirititische Kontaktaufnahme mit der jenseitigen Welt mittels eines Tischchens, dass sich bewegte und durch einen  daran befestigten  Bleistift Texte zu Papier brachte. Ein vollkommen übernatürlicher Vorgang, jenseits einer pysikalischen Erklärbarkeit.

    Fasziniert von dem Funktionieren dieses Vorgangs und im Glauben, mich in Kontakt mit den geliebten, inzwischen verstorbenen Verwandten aus meiner glücklichen Kindeit wähnend, ließ ich mich voll auf die Sache ein.

   Das böse Erwachen kam dann allerdings am 5.Juni 1985. Der Tod eines Freundes wurde angekündigt!

 

Was dann geschah, kann ich nur als ein Eingreifen Gottes in diese Situation deuten. In den nächsten 24 Stunden geschahen dramatische Dinge und eine schicksalhafte Fügungskette, an deren Ende ich mich in einer Düsseldorfer Pfingstgemeinde zum christlichen Glauben bekehrte. Etwas, was ich für mich an sich komplett ausgeschlossen hätte, aber nun unter dem Druck der Ereignisse plötzlich geschehen war. Die ganze dramatische Geschichte kann man übrigens hier nachlesen:

Von Geistern getäuscht und von Gott errettet, wäre eine treffende Kurzbeschreibung der damaligen Ereignisse. Aber es ging eigentlich um weit mehr! Denn nun plötzlich verstand ich, was all die Jahre gefehlt hatte: Der Friede und die Verbindung mit Gott!

   Deshalb war ich so ruhelos gewesen, hatte mich nichts wirklich zufrieden stellen können. Jetzt war ich dort angekommen, wonach ich all die Jahre unbewusst gesucht hatte.