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Eine Konfrontation mit dem Bösen

Es geschah nach einem Abendgottesdienst in einer Bremer Pfingstgemeinde. Zusammen mit Pastor G. hatte ich, damals ein Bibelschulpraktikant, ihn gestaltet.

 

Nun stand in der Nähe des Ausgangs an einer Säule gelehnt und beobachtete, wie die Besucher des Gottesdienstes so nach und nach den Raum verließen. Da kam plötzlich ein mir unbekannter junger Mann auf mich zu und sprach mich an: „Könnte ich mal mit dir reden?“ So etwas ist nach einem Gottesdienst nicht ungewöhnlich und so antwortete ich ohne Zögern:“ Ja, natürlich! Um was geht es?“ Er sagte, ohne dabei auch nur die geringste Gemütsbewegung zu zeigen:“ Ich bin von Dämonen besessen!"
   Überrascht musterte ich den jungen Mann, konnte aber nichts Auffälliges an ihm erkennen. Er sah ganz normal aus. „Ja“, entgegnete ich, „für mich steht natürlich außer Frage, dass es Dämonen gibt. Und das sie auch Besitz von jemandem ergreifen können. Aber“ und hier nun schaute ich ihn nachdenklich an, „nicht immer sind Dämonen die Ursache für Schwierigkeiten. Könnte es nicht auch sein, dass du einige psychische Probleme hast?“ Er schüttelte energisch den Kopf: “Nein, es sind Dämonen. Ich weiß es ganz genau!“
     Einen Moment stand ich ratlos da, dann sagte ich: „Gut, wir können das überprüfen! Und wenn es wirklich so ist wie du sagst, dich von ihnen befreien. Ist das Dein Wunsch?“ Er nickte. Ich schaute mich im Gottesdienstraum um und sah vorne Tom, einen recht sympathischen Engländer, im Gespräch mit zwei jungen Frauen stehen. „Warte einen Moment hier!“, sagte ich zu dem jungen Mann. „Ich werde mir jemanden zur Unterstützung holen. Solche Dinge macht man besser zu zweit!“
    Als ich Tom und die beiden Frauen erreicht hatte, stoppte deren Unterhaltung und alle drei schauten mich fragend an. „Entschuldigung“, sagte ich zu Tom, „aber könntest du mir vielleicht helfen? „Natürlich!“, sagte er, und in Richtung der jungen Frauen: „See you next Sunday!“ Auf dem Weg zu dem jungen Mann klärte ich Tom kurz auf. Er sagte nur: „I see! Okay, schauen wir mal, was passieren wird!“

 
Zu dritt waren wir rübergegangen in den großen Gemeindesaal. Zwar hatten die meisten die Gemeinde sowieso schon verlassen, aber sollte wirklich eine „Dämonenaustreibung“ vonnöten sein, geschah dies besser in einer gewissen Abgeschiedenheit.
   Ich war mir nicht sicher, ob der junge Mann seine Situation richtig einschätzte. Aber das würden wir schnell rausbekommen. Dessen war ich mir vollkommen sicher. Und so stellte ich einen Stuhl auf eine Freifläche mitten im Raum und bat Stefan, so hieß der junge Mann, darauf Platz zu nehmen. Tom und ich blieben stehen.
   „Gut, Stefan“, sagte ich, „es ist klar, worum es geht. Aber vorab möchte ich dir versichern, dass nichts ohne deine Einwilligung geschehen wird und wir die Sache sofort beenden werden, wenn du das willst. Ist das okay so für dich?“ Er nickte.
   „Gut“ fuhr ich fort, „dann werden jetzt Tom und ich unsere Hände auf dich legen und ich werde den Dämonen im Namen Jesu befehlen, sich zu melden. Ist das okay für dich?“ Stefan nickte erneut. Ich musterte ihn. Er sah bleich, aber gefasst aus. „Okay", sagte ich zu Tom hinüberblickend, "lass uns beginnen!“

 
Wie angekündigt legten wir unsere Hände auf Stefans Kopf und Schulter. Dann sagte ich: "Wenn da ein fremder Geist in Stefans Körper ist, befehle ich ihm jetzt im Namen Jesu sich zu melden und seinen Namen zu nennen!" Dies geschah in Anlehnung an die Geschichte der Bibel, wo Jesus den Geistern in einem Besessenen befohlen hatte, ihren Namen zu nennen.
   Aber was nun geschah, kam für mich und Tom völlig unerwartet. Wie von einer mächtigen unsichtbaren Hand vom Stuhl gefegt, flog Stefan mehrere Meter weit in eine Ecke des Raumes und wand sich dort am Boden.
   Nach dem ersten Moment des Geschocktseins lief ich zu ihm hin. Ich fasste ihn an den Schultern und schaute ihm ins Gesicht. Seine Augen waren völlig verdreht, die Pupillen nicht mehr sichtbar und eine eigrosse Beule hatte sich an seinem Hals gebildet.

   Nun war alles klar: "Stefan, hörst du mich?" Für einen Moment kehrten seine Augen in die ursprüngliche Stellung zurück und er antwortete: „Ja!" Dann verdrehte er wieder die Augen, fiel in den vorherigen apathischen Zustand zurück.
   Ich brüllte mit grimmiger Entschlossenheit den Geist in ihm an: "Im Namen Jesu, fahr aus!" Heftiges Kopfschütteln war die Folge. "Nenn deinen Namen", befahl ich. Die Augen von Stefan kehrten in ihre ursprüngliche Form zurück und er nannte einen Namen.

Gut, ich erspare dem Leser hier den Rest der fast zweistündigen recht heftigen, lautstarken Prozedur. Am Ende hatte Stefan gebeten, dass wir aufhören sollten. Als wir wieder ganz normal im Raum standen, seine Beule am Hals war wieder verschwunden, sagte er: "Ich danke euch. Einige Dämonen sind gegangen. Aber nicht alle!" "Dann machen wir weiter! Und wenn es die ganze Nacht dauert!", bot ich ihm an. Aber er entgegnete: „Nein, ein anderes Mal! Ich komme wieder"
   Als er gegangen war, überfiel mich eine tiefe Müdigkeit. Ich sagte zu Tom: "Ich glaube, wir sollten uns jetzt Schlafen legen. Wir können uns ja ein anderes mal über das hier unterhalten." Er nickte und sagte: "Okay, good bye! See you", und verließ ebenfalls den Raum. Ich machte alle Lichter aus, schloss die Haupttüre der Gemeinde hinter mir ab und begab mich in meine Wohnung.