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Vom Missionar zum Atheisten - eine Bekehrung in die richtige Richtung?

 

In seinem Buch "Das glücklichste Volk" ( Don´t sleep, there are snakes) berichtet der Amerikaner Daniel Everett, wie er zusammen mit seiner Familie sieben Jahre lang im Amazonasgebiet unter Pirahä-Indianern zubrachte. Ausgesandt von einer evangelikalen Bibelgesellschaft, wollte er hier missionieren und die Sprache erforschen.

   Letzteres gelang ihm ganz ausgezeichnet, bei Ersterem scheiterte er auf ganzer Linie. Die Indianer blieben standhaft, ihrem Geisterglauben und pragmatischen Dschungel-Leben im Hier und Jetzt treu. Für sie gab es kein Weiterleben nach dem Tode oder einen transzendenten Gott, und sie hatten das auch voll akzeptiert. Jedenfalls wenn man Everett glauben schenken will.

 

Das ein Missionar scheitert, kann vorkommen. Aber das er auch noch seinen eigenen Glauben verliert, befremdet schon etwas: Dass ich zu den Pirahã ging, war auch eine gute Sache - aber nicht für sie, sondern für mich. ...
   Diese Menschen missionieren zu wollen, war komplett unangebracht, denn ich war eigentlich derjenige, der abergläubisch war - und nicht sie. Ich habe meine Perspektive dadurch komplett verändert und gab all meine religiösen Glaubensinhalte auf, obwohl ich damals schon lange ein erfolgreicher Missionar gewesen war. Die Pirahã reagierten übrigens sehr verständnisvoll, als ich ihnen schließlich erzählte, dass ich nicht mehr an Jesus glaube. Sie sagten: "Oh, nun bist du so wie wir."

      Wie war so etwas möglich? Hatte er vielleicht nie richtig geglaubt? Lassen wir ihn noch einmal zu Wort kommen: Ich wuchs zunächst als Atheist auf, aber mit 17 wurde ich Christ. Ich hatte Drogen genommen. Als ich konvertierte, war das für mich eine großartige Erfahrung. Ich fühlte, dass mein Leben auf einmal viel besser war. Als ich mich mit den Pirahã beschäftigte und mein Glaube ins Wanken geriet, dachte ich über alle Entscheidungen nach, die ich meinem Glauben zugeschrieben hatte. Ich realisierte, dass mein eigenes Hirn die Entscheidungen traf, dass ich meine Probleme selbst lösen musste - und nicht eine höhere Macht.

 

Natürlich weiß niemand - vielleicht nicht einmal er selber -  was da genau in ihm vorgegangen ist. Aber offensichtlich gelingt es ihm, alle persönlichen "Gotteserfahrungen" umzudeuten und sie sich rational- naturalistisch zu erklären (mein eigenes Hirn die Entscheidungen traf ). Es will mir so scheinen, dass da tiefe Schlüsselerfahrungen fehlten.

   Persönlich könnte ich vielleicht meinen Glauben verlieren, aber niemals die Tatsache leugnen, dass eine höhere Macht vielfach und unzweideutig in mein Leben eingegriffen hat. Das ich Wunder und eindeutige Offenbarungen erlebt habe.

  

 

In diesem Sinne finde ich diese auch die Lebenswende von Daniel Everett sehr bedauerlich. Aus meiner Sicht war es eine Bekehrung in die falsche Richtung. 


Quelle der verwendeten Zitate: hier

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