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Eine Stecknadel im Heuhaufen - gesucht und gefunden!

Dieter Steffens,  Kapitän eines Seenotrettungskreuzer, befand sich 1990 in der deutschen Nordsee:

 

Da hörte ich auf einmal was rauschen, ich guckte, es war ja nachts, es war ja 23.30 Uhr circa, und da hörte ich was und guckte, ich sah und guckte hoch und sagte zu den Kollegen: „Haltet Euch gewaltig fest, da kommt gewaltig was an!“ Da hatten wir, wie man heutzutage sagt, so ein Kaventsmann, so ne Riesenwelle gekriegt. Die war circa, ich weiß es nicht, 10 Meter hoch, unser Boot ist 10,50 Meter hoch, da musste man bestimmt noch sechs, sieben Meter hoch gucken, war die Welle, die da ankam. Die haben wir quer gekriegt, so sind wir dann quer geschlagen, 110 Grad Schlagseite, wir sind nicht ganz durchgekenntert. Und da bin ich aus dem Boot gegangen, (über Bord gespült worden).

      Erst mal zu realisieren, dass man überhaupt im Wasser war, was war passiert, bis man wieder zu sich gekommen ist einigermaßen, da war in der Wellenhöhe – das konnte, konnte man gar nicht begreifen.

 

Wo ich da im Wasser war, habe ich gedacht: Was ist passiert? Jetzt treibst Du hier … Ich wusste ja aus Erfahrung, bei dem schlechten Wetter überhaupt jemand zu finden, das ist wie die Nadel im Heuhaufen.  Dann habe ich erst mal gebetet, ich kann´s ruhig sagen, ich bin nicht unbedingt ein gläubiger Mensch, aber da habe ich doch wirklich zu Gott gebetet, dass er mir helfen soll!

      Man sagt ja, das Leben geht an einem vorbei. Aber es ist tatsächlich so. Man denkt an die Kinder , zu der Zeit hatten wir noch zwei Kinder, die waren klein, man denkt an die Kinder, die sieht man nicht mehr groß werden. Wie geht das weiter mit der Familie?  Das hat dann auch Kraft gegeben.

 

Gegen  0.40 Uhr wurde er gesichtet und von einem Hubschrauber herausgezogen.Wenige Minuten länger, das hätte er bei dem kalten Wasser der Nordsee auch nicht mehr durchgehalten.

 

Der Hubschrauber (wo er dann angeflogen kam) ging mit seinem Lichtkegel immer so zwei, drei, vierhundert Meter an mir lang, der hat ja nur einen bestimmten Kegel mit dem er absuchen kann. Man wird ja verrückt im Kopf.  Das Glück war dann die Otto Schülke, die war da auch hingeschickt worden (…) und die haben mich dann ins Scheinwerferlicht gekriegt und auch, weil ich so geschrien hab, haben die mich gefunden.

    Aber die konnten mich ja nicht an Bord nehmen, weil die Wellenhöhe zu groß war. (…) Die haben dann den Hubschrauber dahin geordert und der hat mich dann da rausgeholt; aber wie das alles passiert ist, kann ich nicht sagen, das weiß ich bis heute nicht. Ich weiß nur, dass ich dann irgendwie in die Schlinge da rein gekommen bin; dann bin ich erst wieder im Krankenhaus aufgewacht.

    Ich habe, wo ich im Krankenhaus war, da habe ich Gott gedankt, ja. Habe ich gesagt, also, dass das so klar gegangen ist. Dass er mir doch geholfen hat.

 

( Diese Geschichte kann man hier nachlesen: Seenot )

 

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